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Fortschritt in Namibia

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Teaserbild: Foto von Joseph Madisia, Windhoek, Namibia: Ländlicher Transport – Modernes Shopping: "Eine größere südafrikanische Supermarkt-Kette mit Namen „PEP STORES“ hat sich im ländlichen Norden Namibias niedergelassen. So hat auch die Bevölkerung um die Kleinstadt Tsandi Zugang zu modernen Verbrauchsgütern. Die Menschen aus den umliegenden Dörfern fahren mit ihren eigenen ländlichen Transportmitteln zum Shopping Center. Die zahmen Esel warten geduldig darauf, dass ihre Besitzer vom Einkaufen zurück kommen."
Teaserbild: Foto von Joseph Madisia, Windhoek, Namibia: Ländlicher Transport – Modernes Shopping: 'Eine größere südafrikanische Supermarkt-Kette mit Namen „PEP STORES“ hat sich im ländlichen Norden Namibias niedergelassen. So hat auch die Bevölkerung um die Kleinstadt Tsandi Zugang zu modernen Verbrauchsgütern. Die Menschen aus den umliegenden Dörfern fahren mit ihren eigenen ländlichen Transportmitteln zum Shopping Center. Die zahmen Esel warten geduldig darauf, dass ihre Besitzer vom Einkaufen zurück kommen.'
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Namibia

Initiale: D

ie Teilnehmer der Fortschrittskonferenz, die vom 10. bis 11. September 2004 in Windhoek stattfand, repräsentierten zahlreiche Ethnien des Landes. Man befasste sich mit drei Oberthemen: “Kultur und Werte”, “Politik, Gesellschaft und kulturelle Identität” und “Technische und ökonomische Entwicklung“. Fortschritt wurde in Windhoek als ein normativer Begriff verstanden, der eine Bewegung nach vorne beschreibt, dabei aber einem zeitlichen Wandel unterliegt. So wurde Fortschritt in Namibia vor der Unabhängigkeit 1990 mit politischer Emanzipation assoziiert. Heute, als Folge des Apartheidregimes, ist die Fortschrittsidee in erster Linie mit materiellem Vorteil verknüpft. Zugleich wird dieser Begriff auch innerhalb Namibias sehr unterschiedlich verstanden, denn - wie überall auf der Welt – gibt es auch in dieser jungen Nation viele, heterogene Stimmen.

Aller Fortschritt bringt nur Variationen zu dem alten, ewigen Lied des Lebens.
Rosalie Perles, deutsche Schriftstellerin und Philanthropin, 1839-?

Hindernisse für Fortschritt

Die hierarchische Struktur der namibischen Stämme werteten die Teilnehmer als besonderes Hemmnis für Fortschritt. Sie steht dem Aufbau der Nation entgegen, ein Prozess, den Namibia zum Zeitpunkt der Konferenz durchlief. In den immer noch gültigen traditionellen Clanstrukturen gelten eigene Prioritäten: an erster Stelle steht das Eigeninteresse, dann der Clan, dann der Stamm, dann die ethnische Gruppe und schließlich die Nation. Das führt zu Korruption, Nepotismus und dem Hemmen von Innovation. Nur wenn die traditionellen Volksgruppenstrukturen durchlässiger werden, kann sich Demokratie, die bislang vom Gegensatz Abhängigkeit - Befreiung gelebt hatte, auf tragfähige Weise stabilisieren.

Progress implies that people or society reflect back on their society, transcend their social environment, and demonstrate their individuality to become active participants in a ‘modern’ world.
Dr. Tjama Tjivikua, Rector of the Polytechnic of Namibia. Teilnehmer am Fortschrittsprojekt

Ergebnisse

Vordefinierter oder auferlegter Fortschritt steht im Gegensatz zu Kultur und Identität. Fortschritt soll als vorwärtsgerichtete, positive Bewegung von kulturellen Veränderungen verstanden werden. Kulturwandel kann deshalb nicht von außen kommen – er setzt von selbst ein, wenn die Zeit reif ist. Fortschritt bedeutet, an globalen Veränderungsprozessen teilzuhaben, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren. Kleine indigene Kulturen bedürfen dabei des besonderen Schutzes, weil sie sonst drohen, in der kulturellen Globalisierung unterzugehen.

By tying together culture and progress, we should be reminded that culture is not a static thing, but rather a changing process. Each culture has its own unique space and mechanisms to advance itself. Therefore, there should be no need to hurry in expecting a quick cultural progress or even change any cultural value by force.
SVV Nambala, Finance and Development Director of the Evangelical Lutheran Church in Namibia (ELCIN). Teilnehmer am Fortschrittsprojekt

Wenn es gelingen soll, dass die Namibier sich als eine Nation begreifen, muss jeder seinen Egoismus überwinden und stattdessen an das Gemeinwohl denken – jenseits der Clanstrukturen. Fortschritt hat im Land nur dann eine Chance, wenn er auf der lokalen Ebene ansetzt. Deshalb ist die Dezentralisierung für Namibia besonders wichtig, denn sie gewährleistet die Beteiligung aller am politischen Prozess.

Progress here would probably mean the creative act of reviewing traditional african models of decisonmaking process, agricultural life forms and cultural expression and to connect them to the necessities of a postmodern, globalized world.
Peter Erlenwein, Dr. phil. Studies in Social Science; Training in Humanistic Psychotherapy, Namibia. Teilnehmer am Fortschrittsprojekt

In diesem Prozess spielen auch Künstler eine große Rolle, denn sie setzen sich mit aktuellen politischen und sozialen Themen auseinander, indem sie die Menschen spirituell ansprechen – eine Ebene, die wichtig ist, um wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt aktiv in das eigene Leben integrieren zu können.

Zukunftsperspektiven

Die Welt teilt sich in die Kultur der Wenigen und der Vielen. Echter Fortschritt kann nur erreicht werden, wenn die Kultur aller berücksichtigt und in ein gemeinsames Fortschrittskonzept integriert wird. Bildungskonzepte müssen technologisches Know How aufnehmen, um die Lücke zwischen oralen, alten Traditionen und Moderne nicht zu groß werden zu lassen.

Darüber hinaus ist der Schutz kulturellen Erbes wichtig für die Moderne, um den Boden für Kreativität und Innovation zu bereiten. Aber auch im weltweiten Handel kann Kultur einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die Baisis einer zukunftsträchtigen Kreativindustrie bildet. Die „Twyfelfontein Rock Paintings” sind als Weltkulturerbe ein solches Beispiel. Sie leisten einen großen Beitrag zum namibischen Tourismus, was wiederum der lokalen Kommune zugute kommt.

Teilnehmer/innen

  • Michael Bollig
    Professor in Social and Cultural Anthropology at the University of Cologne. Together with an international group of scientists he co-authored the exhibition Namibia-Germany: A shared history
  • Peter Erlenwein
    Dr. phil. Studies in Social Science; Training in Humanistic Psychotherap
  • Sabine Erlenwein
    Managin director of the Goethe-Centre NaDS Windhoek
  • Dr. Dirk Hansohm
    Director of the NEPRU
  • Christiane Kalle
    Country Director of the German Agency for International Cooperation (GIZ) and Head of GIZ’s programme in Namibia
  • Joe Madisia
    Visual Artist and Writer, currently manager of the Katutura Community Arts Centre
  • S. V. V. Nambala
    Finance and Development Director of the Evangelical Lutheran Church in Namibia (ELCIN)
  • Dr. Zedekia Ngavirue
    Ex-Ambassador. One of the founding members and Vice President (1978) of SWANU, and representing the Party before the UN
  • André Strauss
    Deputy Director of the government (Arts and Culture Programmes)
  • Dr. Tjama Tjivikua
    Rector of the Polytechnic of Namibia